Joseph Lo Duca. der die Musik bei Hercules und Xena komponiert, hat jahrzehntelang Musik aller möglichen Stilrichtungen gemacht und sein Handwerk gründlich gelernt, ehe er die Herausforderung annahm, Mythen zu vertonen. Mit dreizehn trat Lo Duca in Clubs in Detroit als Anheizer für die Rockstars Bob Seger und Ted Nugent auf; er studierte Jazz und klassische Musik an der Universität von Michigan und anschließend in New York, wo er drei Jahre lang auch die Musik Griechenlands und anderer Kulturen in sich aufnahm. Lo Duca planten seine Karriere nicht systematisch, sondern liebte die Improvisation. Auf diese Weise kam es schließlich zur Zusammenarbeit mit Rob tapert und Sam Raimi in den Film The Evil Dead. Zwölf Jahre später baten die Produzenten ihn die Filmmusik für Hercules zu schreiben.
Ursprünglich hatte Rob Tapert an eine exotische Musik, eventuell mit arabischen Klängen, gedacht, aber Lo Duca und Tapert überlegten es sich anders, als deutlich wurde, dass Kevin Sorbos Hercules keine exotische Gestalt war, sondern im Grunde ein waschechter Amerikaner, der in ein nicht näher bezeichnetes Zeitalter der Abenteuer versetzt worden war.
Die Musik zu Xena hat allerdings ihre Wurzeln in einigen von Lo Ducas Themen für die exotischen Nebenrollen in Hercules. Lo Duva wollte für den Fernsehfilm etwas ganz anderes machen als das in Hollywood übliche. Sein erster Entschluss war, etwas im osteuropäischen Stil zu schreiben, und engagierte für diesen Gesang eine Gruppe Gospelsängerinnen, da er glaubte, dass ihre Version kehliger, kraftvoller und kriegerischer, aber immer noch weiblich klingen würde. Zufälligerweise war es ein Gesang ohne Worte, nur mit einigen bedeutungslosen Silben, wie man es oft in Brasilien hört. Da Lo Duca ein großer Fan brasilianischer Musik war, schrieb Lo Duca in diesen brasilianischen Stil eine Melodie im osteuropäischen Rhythmus mit entsprechender Harmonik.....ganz ähnlich wie später das Thema bei Xena.
In musikalischer Hinsicht verdankt Xena besonders viel Bulgarien, einer Nation die mit Rußland, der Türkei, dem Balkan und sogar dem antiken Thrakien gemeinsame kulturelle Wurzeln hat. Das Instrument. das die Titelmelodie spielt, ist ein bulgarischer Dudelsack, Gaida genannt, der aus dem Magen eines jungen Schafs oder einer Ziege gemacht wird. Lo Duca gefiel der kriegerische Klang de Gaida, kombiniert mit Trommeln und Wasserkastagnetten. Als er sich mehr mit der Musik Bulgariens beschäftigte, entdeckte er eine Hirtenflöte, Kaval genannt, die nun bei Liebesszenen eingesetzt wurde. Bei Überblasen produziert die Kaval Obertöne, so das man förmlich Gänsehaut kriegt, was ideal für Xenas Chakramwürfe und ihren Trick, mit dem sie Gegner lähmt war.
Sowohl Xena Erkennungsthema wie die Titelmelodie sind gekennzeichnet durch einen Frauenchor, der bulgarische Texte singt. Die Idee, über der man lange gebrütet hatte, stammt von Rob Tapert, der Ende der achtziger Jahre den Bulgarischen Frauenchor in einem Konzert erlebt hatte und ungeheuer davon beeindruckt war. Aber was sollte der Chor nun singen? Tapert bewunderte den Bulgarischen Frauenchor einfach wegen seines leidenschaftlichen, exotischen Stils, ohne überhaupt eine Ahnung zu haben, was sie überhaupt sangen. Deshalb dachte sich Lo Duca eine Ode an die große Kriegerin aus und ließ Verse ins Bulgarische übersetzen. Das Ergebnis war der erste und bislang einzige bulgarische Gesang auf amerikanischen Fernsehschirmen:
Jenata iazdi samotna Die große Kriegerin reitet allein
Neinoto minalo srazi ia getrieben von Scham über ihre Vergangenheit,
Srehstu voiskite ot tumen sviat Gegen die Mächte einer dunklen Welt,
Vouza za dobro tia kämpfte sie für das Gute, nicht um Ruhm,
Rogovoi zvunove idvat Hörnerklang verkündet ihr Kommen, ihr Name erschallt.
"Napraite put na voina!" "Macht Platz der Kriegerin! Heil!"
Tupani biat vuv ritum tönt es im Rhythmus der Trommeln.
Princhesata e pak tuka! Die Bösen sollen sich hüten, die große Kriegerin ist da!
Musik aus Griechenland und verwandten Kulturen betont die mythischen Wurzeln von Hercules und Xena. Also Lo Duca ein Thema für Gabrielle brauchte, griff er auf eine traditionelle griechische Tanzweise zurück. Allerdings vermied er es, die Bouzouki einzusetzen, ein griechisches Instrument, das einer Mandoline ähnelt, weil es sonst klingen würde, als säße man in einen griechischen Lokal. Lo Duca nahm stattdessen für Gabrielles Thema ein arabisches Instrument namens Oud, einer kleinen Verwandten der Laute, die jedoch viel bäuerlicher klingt.